Dienstag, 13. Mai 2014

Von Hamburg nach Portugal - die dritte (c - von La Voulte sur Rhone nach Montpellier) Etappe ...

Am 7.5. verliess ich kurz hinter La Voult sur Rhone die Strasse parallel zur Rhone, ich fuhr zur Stadt
Privas, Richtung Westen. Von Privas aus wollte ich nach Aubenas fahren. Auf meiner Karte
sah die Entfernung nicht so gewaltig aus, was ich nicht sah, waren die Höhenmeter. In Privas selbst
ging es schon gut bergan, und danach nur noch. Meine Hoffnung, die Strasse würde im Tal verlaufen,
erfüllte sich nicht. Es ging über einen Bergpass nach Aubenas. Zwei Stunden nur bergan, im kleinen
Gang oder mit geschobenem Rad bis auf 787 Meter Passhöhe. Da ich morgens direkt an der Rhone
startete, und diese sicher nicht mehr als 87 Meter Gefälle bis zum Mittelmeer hat, habe ich an diesem
Tag über 700 Höhenmeter mit meinem schweren Fahrrad bewältigt. Hechelnd und schweissnass
erreichte ich irgendwann den Pass. Eine unglaubliche Anstrengung, die ich wohl nur mit halbausgeschaltetem Verstand ertragen konnte. Nachts im Hotel in Uzer konnte ich lange nicht einschlafen, mein Körper
konnte sich nach dieser Tortur nur langsam beruhigen.
Die Abfahrt vom Pass nach Aubenas war da schon anders, kilometerweit ohne in die Pedale zu treten.
Von Aubenas aus gings südwestlich Richtung Largantiere, bis zum kleinen Ort Uzer. Hier hatte ich mir
am Abend zuvor über booking.com ein Hotelzimmer reserviert, um endlich einmal ein sicheres Quartier
ohne nachmittägliche Suche zu haben.

Über die Stadt Ales und Ledignan gings am Donnerstag, den 8.5., weiter gen Süden, gen Mittelmeer.
Dieser Tag ist in Frankreich ein Feiertag, der Tag des Sieges, Victoire 1945. Supermärkte hatten
geschlossen, in Ales gönnte ich mir in einem Imbiss ein Panini mit tres fromages.
Die Erinnerungskultur, die Beziehung zu den Weltkriegen, ist in Frankreich etwas völlig anderes als in
Deutschland. Das direkt in den französischen Orten zu sehen ist sehr interessant. Da sieht man ein
gepflegtes mit Fahnen geschmücktes Denkmal für ermordete Widerstandskämpfer oder für die
Soldaten des 1. Weltkrieges, La Grande Guerre. Für die Franzosen ist alles viel unkomplizierter,
das sie auf der richtigen Seite standen. Da wird einem der Wahnsinn des Nationalsozialismus wieder bewusst.  

Die Suche nach einem Quartier an der Landstrasse nach Montpellier gestaltete sich mal wieder
schwierig. Kein Zeltplatz in Sicht, in Chambres d' Hotes in den kleinen Orten an der Strasse alles
"complet". In einem kleinen Dorf fragte ich den Wirt, der gleichzeitig Bauer war, ob er nicht ein
"Emergency Quarter" für mich hätte. Er sah mein Gepäck, fragte mich "Do you have a tent?" und
erlaubte mir dann, auf seinem Grundstück, ca. 100m von seinem Haus entfernt, zu zelten.
Das war super. Damit hatte ich ein schönes Quartier im Grünen, Wasser bekam ich auch noch
von der Familie.
Das jahrhundertealte Bauerhaus war toprenoviert, innen sehr modern eingerichtet, wie ich am
nächsten Morgen sah. Sie bauen Wein und Getreide an und betreiben das Bed&Breakfast.
Alles sehr idyllisch, fast paradiesisch. Am nächsten Morgen bekam ich noch einen Kaffee und
ein Croissant spendiert.
Ja, sehr nette, freundliche Menschen.

Am 9.5. gings nach Montpellier, im Zentrum steuerte ich die Tourismus-Zentrale an und liess mir ein
günstiges Hotelzimmer etwas ausserhalb vermitteln. Es war sehr heiss, ich hatte schon einen leichten
Sonnenbrand, mein Lippen-Herpes meldete sich dank heisser Sonne und Stress wieder, und meine
Moral war auf dem absoluten Tiefpunkt. Am schlimmsten war das Heimweh, die Sehnsucht nach
Zuhaus. Bei dieser Hitze die notwendigen täglichen Kilometer abzureißen, konnte ich mir nicht vorstellen.
Und jeden Tag die Sorge um eine Unterkunft oder einen Zeltplatz....Und es gab ja keine separaten Fahrradwege, ich musste ständig auf Strassen fahren, auf denen mich ständig Autos überholten...und den ganzen Tag allein...mit niemanden kann man richtig reden...
Nachts im Hotel konnte ich vor lauter Unruhe nicht einschlafen. Ich entschied mich, aufzugeben.
Am nächsten Morgen wollte ich zum Bahnhof, zum Gare, fahren, und mir eine Fahrkarte nach
Deutschland kaufen. Und nach dieser Entscheidung konnte ich mich endlich entspannen und einschlafen.
Es ist hart, allein mit dem Fahrrad durch ein fremdes Land zu reisen. Vielleicht fehlte mir auch noch Erfahrung. Aber die habe ich ja jetzt. Immerhin habe ich in Deutschland von Nord nach Süd gut
1000 Km abgeradelt, und in Frankreich von Breisach nach Montpellier gut 900 Km. Das reicht!
Erst einmal.

Das war meine Reise von Hamburg nach Portugal, die bis Montpellier ging. Ich habe viel gesehen.
Viele Dörfer, viele Boulangeries, viele schöne Landschaften, bin in großen Städten wie Lyon, Dijon,
Avignon und Montpellier mit dem Fahrrad herumgefahren. Eine tolle, schöne Erfahrung. Die mir bei
meiner nächsten Reise sicher nützen wird.  
Von La Voulte sur Rhone nach Montpellier


Schöne Ardeche

Blick auf Privas
Pause in Privas
Denkmal für ermordete Resistance-Kämpfer in Privas


Blick vom Pass auf die Ausläufer der Alpen

Von der Rhone bis 787 Meter - mit dem Fahrrad!


Idyllische Ardeche

Das Languedoc ist bekannt für guten Wein

Nicht so ganz idyllische Ansicht in Ales

Oft sehr klares Wasser in den Flüssen

Weinfelder über Weinfelder

Zelten beim Bauern

Hier lässt es sich leben

In Montpellier auf dem zentralem Platz

Montpellier, zentraler Platz

Strasse in Montpellier

Gefräßige Monster im Gare von Montpellier

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Alte Cafe-Tradition in Montpellier







Dijon - leider nicht meine Unterkunft
Fussgängerzone in Dijon

Montag, 12. Mai 2014

Von Hamburg nach Portugal - die dritte (b - von Dole nach La Voulte sur Rhone) Etappe ...

Von Dole aus verliess ich den schönen Radweg am Rhein-Rhone-Kanal (am 3.5.) und wandte mich gen Süden, mein Ziel war ja das Mittelmeer! Das hieß allerdings: keinen asphaltierten Radweg mehr,
sondern Landstrassen fahren. Über Louhans-Chateaurenaud fuhr ich nach Bourg-en-Bresse.
An diesem Tag stellte ich einen Rekord auf: ich fuhr rund 150 Km. Das Wetter war kühl, aber trocken,
keine grösseren Berge, und Wind kam aus dem Norden, ich hatte ihn also im Rücken. So jagte ich an
den Kanten der Landstrassen Richtung Süden. In Bourg-en-Bresse steuerte ich die Tourismus-
Zentrale an, um mir ein Quartier zu besorgen. Aus dem vielfältigem Angebot entschied ich mich für ein Bed&Breakfast ausserhalb, in einem Ort namens Moncet. Dazu musste ich allerdings noch einmal geschätzte 10 Km fahren.
Irgendwie schaffte ich alles, war aber letztendlich auch selbst ziemlich geschafft. Das Quartier war ein
sehr idyllisches altes toprenoviertes Landhaus (http://www.chambres-hotes-lesvignes.com). Sehr schön.
Der Inhaber und seine Frau wollten sich noch mit mir unterhalten, auf Englisch. Das war mir bei meiner Erschöpfung schon fast zu viel. Und dann erzählte mir der gute Jean-Louis auch noch, das er als Psychochanalytiker arbeitet! Der wollte doch mich nicht noch analysieren?
Wie auch immer, die beiden waren sehr nett. Das alte Landhaus hatten sie in 14-jähriger Eigenarbeit
aufgearbeitet und sehr ansehnlich ausgebaut. Schön, wenn man so lange ein Ziel verfolgt und es dann
erreicht.   

Die 150 Km spürte ich am nächsten Tag (den 4.5.) noch, als ich in Richtung Lyon fuhr. In einem
kleinerem Ort vor Lyon gibt es laut Hinweis-Schildern einen deutschen Soldaten-Friedhof -
cemetery allemagne, den ich mir gern noch angesehen hätte. Nachdem ich ein paar Hinweis-
Schildern nachgefahren war, gab ich aber auf. Leider waren meine Beine zu müde. Ich dachte dabei
darüber nach, was die deutschen Soldaten hier eigentlich wollten.
Am Beginn zum Stadtzentrum von Lyon kam mir gleich ein Hotel entgegen, Ibis Budget, und da mietete
ich mich ein. Nachdem ich mein ganzes Gepäck abgepackt hatte, fuhr ich noch in die Stadt, mit
meinem jetzt angenehm leichten Fahrrad. Es war Sonntag, gutes Wetter, und viele Menschen gingen
an den Ufern der schönen Rhone und in einem Park spazieren. Auf so etwas wie "Park-Kultur"
scheinen die Franzosen viel Wert zu legen.
In einem arabischen Lebensmittelgeschäft, das einzige geöffnete, das ich entdeckte, konnte ich mich
noch mit einer abendlichen Speise eindecken.
Ja, jetzt war ich direkt an der Rhone, und an der Guten wollte ich ja zunächst gen Süden fahren.

An den Kanten der Landstrassen zu fahren, ist schon etwas anderes als einen asphaltierten Radweg
an einem Kanal. Denn man wird oft von Autos und Lastwagen überholt. Für die Moral des Radfahrers
ist das nicht immer förderlich. Die französischen Autofahrer sind allerdings sehr rücksichtsvoll, sie
halten immer einen guten Abstand zum Fahrradfahrer ein, drängeln nicht und bleiben auch einfach mit langsamer Fahrt hinter dem Rad, wenn sie nicht gleich überholen können. Richtig bedrängt fühlte ich
mich in keinem Fall. In Deutschland geht es da schon ruppiger zu, die deutschen Automobilisten sind
m.E. nicht so geduldig wie ihre französischen Kollegen.

Als ich am 5.5. morgens aus Lyon herausfuhr, kam ich beim Suchen des richtigen Weges am
Stadtrand durch ein Zigeunerlager (ich weiß, der Audruck ist nicht ganz korrekt). Ein Schock. Alles
war voller Müll. Berge von Müll. Die Menschen leben dort in selbstgebauten Verschlägen aus Brettern
und Plastikplanen und in schrottigen alten Wohnwagen. Frauen kochten im Freien auf offenen
Feuerstellen. Ein pubertärer Junge fuhr kurz neben mir her, rief mir etwas zu und versuchte zum
Schluss, mich mit seinemSchrott-Fahrrad zu rammen. Endlich konnte ich diesen ungastlichen Ort
hinter mir lassen. Diese Müllberge - unglaublich! Hinterher dachte ich: die werfen ihren eigenen Müll
einfach "vor die Tür", und die städtische Müllabfuhr kommt nicht in dieses Lager. Und so entstehen
im Laufe der Zeit die Müllberge.

Ich fuhr weiter durchs schöne Rhonetal, in Vienne konnte ich direkt an der Rhone fahren und die Sicht
auf den Fluss genießen. Kurz vor Tournon-sur-Rhone sehe ich einen Camping-Platz an der Strasse
und entschliesse mich, dort zu übernachten. 10,30 Euro muss ich bezahlen, dafür kann ich mein Zelt aufstellen, Dusche und WC benutzen. Auf dem Platz sind nur wenige Leute in Wohnwagen, niemand
ausser mir zeltet. Der Kiosk hat leider geschlossen, so muss ich mich abends und am nächsten Morgen primär mit meinem Sonnenblumenkernen-Notvorrat zufrieden geben.
Im Zelt schlafe ich ganz gut, der Wind rauscht über mir in den Bäumen, ein schönes Geräusch nachts.

Am 6.5. fahre ich weiter auf Strassen, dicht an und parallel zur Rhone. Leider gegen den Wind, der aus
dem Süden kommt. Bis nach La Voulte sur Rhone reicht die Kraft, dort in der Tourismus-Zentrale hilft
mir ein älterer Mann, der nur französisch spricht, mit einem Tip für ein Hotel. Einige Worte und seine
Zeichensprache verstehe ich, und so geht es schon. Das Hotel, in dem ich der einzige Gast bin, gefällt mir nicht und es ist mir auch zu teuer, aber ich bin zu müde, um noch weiterzusuchen. So ist es leider
öfter: ich bin froh, überhaupt ein Quartier gefunden zu haben.  
Von Dole nach La Voulte sur Rhone


Granaten als Pfeiler und ein Held - andere (französische!) Erinnerungskultur





Kilometer für Kilometer in den Süden



Bed&Breakfast in Moncet


Vor einer Boulangerie (Bäckerei) und Patisserie (Konditorei)



Wohnen in Lyon

Oder so - mit Blick auf die Rhone



An der Rhone in Vienne





Dorfansicht


Camping



Rhonetal mit Bergen im Hintergrund



Lecker!



Flussbett


Montag, 28. April 2014

Von Hamburg nach Portugal - die dritte (a - von Breisach nach Dole) Etappe - ....

Ja, wohin? Zunächst nach Frankreich, am Rhein-Rhone-Kanal entlang zur Rhone und dann Richtung
Süden.
Am 29. 4. gehts per Bahn nach Breisach, um 17 Uhr komme ich dort an. Hoffentlich ist mit meinem
Fahrrad, das ich dort zurückgelassen habe, alles in Ordnung. Hoffentlich ist es überhaupt noch da....
Und dann durch Frankreich, ein fremdes Land, in dem ich die Menschen nicht verstehe!
Worauf habe ich mich bloß wieder eingelassen?
Dabei könnte ich mich einfach mit einem Bier im Anker entspannen, im Schrebergarten in der Sonne liegen oder zuhause auf dem Sofa....Aber nein, ich muss ja meine blöden Ideen verfolgen. 
Wie immer, wenn es losgeht, ist mir das Herz in die Hose gesackt. Also: morgen geht es los, mal schauen...  




Und im Anker ein Bier trinken - das kann ja jeder....

Am 29.4. kam ich spät nachmittags in Breisach an, natürlich ging ich sofort in schnellem Schritt
zum Fahrradgeschäft Schweizer. Und mein gutes Fahrrad stand noch genauso im Hinterhof wie
ich es zwei Wochen zuvor zurückgelasen hatte. Gut abgedeckt mit Kartons, und das ganze Gepäck
war auch noch da! Herr und Frau Schweizer sind wirklich supernett. Und sie wollten noch nicht
einmal etwas dafür. Mir blieb da nur das Sparschwein auf ihrem Kassentresen.
Danach zur Jugendherberge, ein Zimmer besorgt; zum Supermarkt zum Nahrungs- und Getränke-
Kauf, und noch ein  bißchen in Breisach herumgefahren.

Am 30.4. morgens im Regen (der am frühen Nachmittag endlich aufhörte) über die Rheinbrücke nach Frankreich, nach Neu-Breisach bzw. Neuf-Brisach, Ensisheim, Mulhouse und den Rhein-Rhone-Kanal (Canal du Rhône au Rhin) entlang. Ich fuhr bis zum Städtchen Dannemarie, hier fragte ich im Ort in einem Cafe nach einem Chambre oder Hotel. Die Wirtin gab mir einen Tip auf eine private Zimmervermietung, die ich auch fand - dort kam ich unter. Alles etwas altmodisch, mit Dusche und WC ausserhalb des Zimmers, aber das störte mich nicht und preisgünstig war es auch. Ich benutzte wegen schlecht funktionierender Heizung und kühlem Wetter im Bett meinen Schlafsack und schlief so wunderbar.

Am 1.5. weiter den schönen Radweg am Kanal entlang. Dieser Radweg ist Bestandteil der Euro-Velo-
Route Nr.6 von Budapest nach Nantes, sehr gut ausgeschildert und in gutem Zustand. Es macht schon Spass, dort zu radeln. Noch mehr Spass hätte es gemacht, wenn es nicht geregnet hätte. Aber ich
hatte ja mein Regenzeug dabei. In Baume-les-Dames fuhr ich einen Campingplatz an, musste aber
feststellen, das die Administration nicht besetzt war. Ein paar ältere Damen hatten mein dummes
Gesicht wohl bemerkt, sie sprachen mich an und versuchten mir mitzuteilen, das ich mich an die "Capitanerie", ein Restaurant, wenden könnte. Alles in halbfranzösisch, halb Zeichensprache.
Also zum Restaurant, das zum sog. "Gîtes de France" (weiß der Teufel, was das konkret bedeutet)
gehörte und auch Zimmer bzw. Betten vermietete.
Mit Hilfe einer deutschsprechenden Kellnerin bekam ich dort sogar ein Zimmer, sehr günstig, denn ich
musste nur 17 Euro bezahlen. So weit ich es verstanden hatte, waren das die Kosten für ein Bett, aber
ich war der einzige Gast. Und im Restaurant bekam ich sogar etwas zu Essen, obwohl die Küche gar
nicht in Betrieb war. Der Koch macht mir in seiner Pause einen Super-Salat!
Als ich spät abends im Zimmer lag, gab es noch ein Gewitter mit kräftigen Platzregen! Da wäre
zelten vielleicht doch nicht so gut gewesen.
Am nächsten Morgen reiste ich um 8 Uhr wieder ab, niemand war so früh da, die Schlüssel warf ich
dem Capitan in seinen Capitanerie-Briefkasten. Das hatte ich abends noch mit dem Capitan, also dem
Wirt, so verabredet. Er sprach nur französisch und Zeichensprache, und irgendwie verstand ich es.

Im Elsass haben viele Franzosen auch Deutschkenntnisse, und wohl auch z.T. deutsche Wurzeln.
Viele deutsche Ortsbezeichnungen und Familiennamen weisen m.E. darauf hin, das dieses Gebiet
früher immer ein "deutsch-französisches Mischgebiet war". Der schon sehr alte Wirt meiner Unterkunft
in Dannemarie sprach fliessend und akzentfrei deutsch, und er wurde sogar während des Zweiten
Weltkrieges von der deutschen Wehrmacht eingezogen. Aber natürlich versteht er sich nicht als
Deutscher, sondern als Franzose.

Zur Sprache und Verständigung noch: in meinem kleinen Touristen-Sprachführer hatte ich gelesen,
das ältere Franzosen manchmal unfreundlich und abweisend sind, wenn man ihre Sprache nicht
spricht. Ich denke, so etwas sollte man heute nicht mehr verbreiten. Damit produziert man nur
bestimmte Voreinstellungen, die niemandem etwas nützen.
Wenn man in ein fremdes Land fährt, sollte man einfach davon ausgehen, das man nur nette und
freundliche Menschen trifft. Nach meiner Erfahrung können die meisten Franzosen auch etwas
Englisch oder Deutsch und sprechen es auch. Und man sollte als Fremdling zumindest einige wenige
Wörter können, wie: bon jour, merci, s'il vous plait, au revoir, chambre libre,....Viel mehr kann ich
eigentlich nicht, aber irgendwie bin ich so ganz gut zurechtgekommen.
 
Am 2.5. fuhr ich, bei jetzt besserem Wetter, am Kanal auf dem Euro-Velo-Weg Nr.6, über Besancon
noch bis Dole. Mit Hilfe der dortigen Tourismus-Zentrale fand ich ein günstiges Hotel. Abends ging ich
noch in der Stadt spazieren, kaufte mir in einem Supermarkt noch mein Abendessen.

Die Landschaft am Kanal (bzw. Fluss) ist sehr schön. Der Kanal wechselt sich ab und zu mit einem
Fluss ab bzw. beide laufen parallel zueinander oder vereinigen sich, das ganze wird meistens von felsigen und/oder bewaldeten Bergen eingerahmt - das sieht schon sehr schön und beeindruckend aus.
Besonders sicher für jemand aus Norddeutschland, der überhaupt keine felsigen Hügel und Berge aus
seiner heimatlichen Umgebung kennt.   
Von Breisach nach Dole
Haus in Mulhouse


 


Unterkunft in Dannemarie





Schöner Radweg am schönen Kanal im schönen Tal bei schönem Wetter


































und hier mit tiefhängenden Wolken















Immer wieder Stromschnellen im Fluss
           








Häuser in Besancon


Haus am Fluss (ob die eine Baugenehmigung haben?)


Szene in Dole

Freitag, 18. April 2014

Von Hamburg nach Portugal - die zweite Etappe - von Hannoversch-Münden nach Breisach


Schöner Fulda-Radweg
Lachsbrötchen in Melsungen
On the road

Schloß Aschaffenburg

Sehenswürdigkeit in Aschaffenburg











Riesiger Abraumberg aus einem Kalkbergwerk bei Neuhof
Sehr witzig - um 14 Uhr ist Schluß!
Schöner Spessart











Michel in Michelbach
Rauchende Schornsteine in Worms









Warten auf die Rhein-Fähre bei Gernsheim
Viel Gold in Worms - woher das wohl kommt?





Sehenswürdigkeit (?) von heute
Speyer













Vor dem Münster in Strasbourg



Häuser in Strasbourg










Obst- und Weinanbau in Baden

Das Ziel der zweiten Etappe

Am 9. April, einem Mittwoch, startete ich zur zweiten Etappe meiner Fahrradreise Hamburg-Portugal.
Mit der Bahn wieder nach Hannoversch-Münden, fünf Stunden in der Bahn, das war Stress pur!
Um 15 Uhr kam ich erst an, und dann endlich aufs Rad.
Ich fuhr noch bis Kassel. Mit Hilfe eines überzeugten Fahrradfahrers fand ich die Kasseler Jugendherberge,
der gute Mann führte mich per Rad quer durch die Innenstadt direkt zur Herberge. Das war schon mal gut.
In Jugendherbergen hatte ich bisher immer Einzelzimmer, man kann als Einzelreisender aber auch in Zimmern
mit einer Mehrbett-Belegung übernachten. Das ist billiger, und als ich danach gefragt wurde, sagte ich zu.
Also ein Zimmer mit Mehrbett-Belegung, einmal wollte ich es ausprobieren. In meiner Phantasie hatte ich mir vorgestellt, mit anderen Fahrradtouristen noch ein paar Erfahrungen auszutauschen.
Leider war mein Mitbewohner kein Fahrradtourist, sondern ein sehr merkwürdiger Mensch, der spät um 22:30 Uhr ins Zimmer getrampelt kam, als ich schon längst schlief. Und dann wollte er sich auch noch unterhalten! Ein Mensch mit total negativer Einstellung zu allem: alles war Mist, sein Chef hatte etwas gegen ihn, Frau Merkel lullte die Menschen mit ihrem Geschwafel doch nur ein, Politik ist ja eh nur Betrug, mit seiner kranken Mutter hatte er es so schwer, in einer Döner-Bude sollte er einen Tee bezahlen, den er gar nicht bestellt hatte, einen Sportwagen kann er sich nicht leisten, aber wenn er sich einen leisten könnte, würde der ihm auch nichts nützen, da er nach Meinung irgendeiner Frau nicht gut genug aussehen würde, bla bla bla. Also der Mensch redete nur negativen Blödsinn, der mich in keinster Weise interessierte.
Seit Kassel nehme ich in Jugendherbergen wenn irgendwie möglich immer Einzelzimmer.

Von Kassel, übrigens nicht gerade eine fahrradfreundliche Stadt, wie ich finde (keine guten Fahrradwege an den Hauptstraßen, keine gute Beschilderung für Fahrradfahrer), gings am Donnerstag über Melsungen und Rotenburg nach Bad Hersfeld. Immer an der schönen Dame Fulda auf dem guten Fulda-Radweg entlang.  
Das machte richtig Spass. In Bad Hersfeld fand ich mit Hilfe der Tourismus-Zentrale schnell die Jugendherberge, die sehr neu und modern ist. Ich bekam ein schönes Zimmer mit eigenem Bad, und als ich
die Heizkörper testete, funktionierten auch sie. So konnte ich noch einige verschwitzte Kleidungsstücke waschen und über Nacht trocknen. Und ein Supermarkt für den Einkauf meines Abendessens war auch nicht weit.

Am Freitag weiter auf dem Fulda-Radweg bis: Fulda. Eine schöne Stadt, im alten Zentrum alles sauber, saniert, renoviert und repariert. Leider habe ich für Stadtbesichtigungen immer zu wenig Zeit. In Fulda änderte ich meine Richtung etwas, verließ den schönen Fulda-Radweg und fuhr in südwestlicher Richtung
auf dem Kinzig-Radweg Richtung Frankfurt bis nach Schlüchtern. Leider schließt das Touristen-Büro dort bereits um 14 Uhr! Welcher Fahrradtourist ist da wohl zeitig in Schlüchtern? Aber im Eingang hängt ein Stadtplan und eine Liste von Unterkünften. Ich suchte mir die Pension "Zum Löwen" heraus, die Lage auf dem Stadtplan und los ging es. Leider fand ich: nichts. Als ich in der betreffenden Straße zwei Anwohner nach der Pension fragte, erklärten sie mir, das es diese Pension seit Jahren nicht mehr gab! Wird aber immer noch im Eingang des Tourismus-Büros angepriesen, das bereits um 14 Uhr schließt. Die Schlüchterner sind leider nicht auf Zack. Die beiden Anwohner gaben mir aber noch einen guten Tip auf ein kleines Hotel, das auch gern Fahrrad-Leute beherbegt. Dort kam ich ganz gut unter.

Weiter am Sonnabend über Steinau, Gelnhausen, Freigericht, Mömbris, Johannesberg nach Aschaffenburg.  Zwischen Mömbris und Johannesberg ging es kilometerweit bergan, ich schob mein Fahrrad fast eine Stunde den Berg hoch. Hechelnd und total nassgeschwitzt kam ich oben an - das war wirklich eine Tortur.
Für Aschaffenburg hatte ich mir vorab die Adresse der Jugendherberge besorgt, als ich dort ankam, musste ich leider feststellen, das die Herberge seit Jahren geschlossen ist. Sah schon fast wie eine Ruine aus. Ein zufällig vorbeikommender Passant bestätigte mir das auch noch, gab mir aber noch einen Tip auf ein Hotel in der Nähe, das "Olive-Inn". Leider wollte man mich dort nicht aufnehmen - mir schien es, das dieses Hotel fest in muslimischer Hand ist und man auf Nicht-Muslime keinen Wert legt. In einem großen Raum erhielten
muslimische männliche Jugendliche anscheinend gerade Koran-Unterricht, da hätte ein Ungläubiger natürlich gestört. Also wieder weiter...., mit Mühe klappte es danach beim dritten Hotel. Die Suche einem Quartier ist manchmal wirklich hart. Abends ging ich noch in der Stadt spazieren, in einem Einkaufszentrum konnte ich mir noch etwas für mein abendliches Dinner im Hotelzimmer kaufen, nämlich die übliche Dose Fisch, ein Bier und etwas Brot.

Am nächsten Tag gings über Babenhausen, Dieburg, Ober-Ramstadt, Seeheim-Jugenheim nach Gernsheim,
wo ich mit einer Fähre den Rhein überquerte. Endlich am Rhein, dem Fluss der Deutschen! Wobei ich dem Rhein durchaus nichts Romantisches abgewinnen konnte, eher etwas Industriemäßiges. Auf der anderen Seite fuhr ich noch bis Worms, wo ich in der zentralgelegenen guten Jugendherberge unterkam. Worms hat ein schönes Zentrum mit viel Historie, ist aber auch eine Industrie-Stadt.

Noch mehr Ludwigshafen, das ich am Montag durchquerte. Ludwigshafen heißt BASF, ein riesiger, die Stadt dominierender Betrieb. Das ist eben unsere reale Welt , unser reales Leben heute: die Industrie, Supermärkte, Straßen mit Autos, Einkaufzentren. Die historischen Stadtkerne mit den Kirchen und den alten Häusern spielen für unser Leben heute eigentlich keine Rolle, es sind nur Überbleibsel der Vergangenheit.
Es würde auch ohne sie gehen. Die BASF hätte ich gern besichtigt, es ist bestimmt interessant zu erfahren,
was dort alles und wie produziert wird. Leider wie immer zu wenig Zeit für alles ausser Fahrradfahren.
Schließlich will ich ja auf meine üblichen 100 Kilometer kommen.
Über Speyer, Philippsburg, Dettenheim und diverse andere Orte landete ich in Karlsruhe, übernachtete dort in der Jugendherberge. Nicht sehr komfortabel, auch im Vergleich mit anderen Jugendherbergen, aber zentral und relativ günstig. Abends fuhr ich noch mit dem Fahrrad in der Stadt umher. Gabs dort etwas Besonderes?
Nein.
   
Am Dienstag, den 15.4., gings weiter nach Süden, durch Rheinstetten, Rastatt und Rheinau nach Kehl/Strasbourg. Ich fuhr fast immer an der Bundesstrasse 36 entlang. Die Rheinebene erinnerte mich stark an Norddeutschland: eine flache Ebene mit Wiesen und Äckern, ein eingedeichter Fluss, den ich selten sah,
Orte mit Supermärkten, Bäckereien, Neubau- und Gewerbegebieten. Wenn die Berge im Hintergrund nicht zu sehen wären, könnte man sich im Norden an der Elbe glauben. Am Nachmittag kam ich in Kehl an. Das Erste was ich dort sah, war ein Möbelmarkt, an dessen Rückseite hatte sich eine Gruppe junger Männer zum Biertrinken versammelt hatte. Dann kamen mir drei muslimische Frauen mit Kopftüchern entgegen, bevor ich ein etwas heruntergekommenes Hotel mit abgeblätterter Farbe passierte. Komische Stadt. Also schnell zum Rhein, über die Brücke nach Frankreich, nach Strasbourg. Zum ersten Mal mit dem Fahrrad in Frankreich!
Und auf dem Weg ins Zentrum treffe ich zufällig noch eine Frau aus meiner Partei aus Hamburg. Es wimmelte im Zentrum von Strasbourg von Touristen, man kann sagen: Menschenmassen wälzten sich durch das wirklich schöne und interessante historische Zentrum. Schnell noch ein paar Fotos gemacht, dann zum Tourismus-Büro, einen Stadtplan besorgt und die französische Jugendherberge angefahren. Auf dem Weg dorthin hatte ich noch einen kleinen Fahrradunfall, ich rutschte auf einem Weg mit losen Steinchen weg und fiel, Glück im Unglück, nicht auf die Erde, sondern gegen einen Bauzaun!
Die Jugendherberge war ausgebucht, auch kein Notquartier, ebenso die deutsche Jugendherberge auf der anderen Rheinseite in Kehl. Hotels ebenso. Nach Auskunft einer netten Hotelrezeptionistin lag es an der gerade stattfindenden Sitzung des EU-Parlaments, zu der aufgrund der nahenden Europawahl noch viel Partei-Fussvolk mitgekommen war. Sie gab mir den Tip, weit (mindestens 20 Km!) aus Kehl herauszufahren und es in Dörfern zu versuchen. Mit viel Mühe erreichte ich ein Dorf (das hieß Altenheim) mit einem Hotel, das noch Zimmer frei hatte. An diesem Tag fuhr ich 113 Km, Rekord für mich.  
             
Am Mittwoch, dem 16.4., erreichte ich am frühen Nachmittag Breisach, nach einer für mich relativ kurzen Fahrt durch die Rheinebene und auch durch etwas hügeliges Gelände mit Weinbergen und Obstanbau. Sieht ein bißchen aus wie in Spanien oder Frankreich, dachte ich. Damit hatte ich mein Ziel der Zweiten Etappe erreicht! Insgesamt bin ich in beiden Etappen etwas mehr als 1000 Km gefahren. Von Hamburg bis Breisach,
also Deutschland von Norden nach Süden durchfahren.  
Mein Fahrrad stellte ich bei einem Fahrradhändler in Breisach unter (mein gutes Bike - hoffentlich passiert ihm nichts!), stiefelte zum Bahnhof, kaufte mir ein Ticket nach Hamburg und konnte 2 Minuten später über
Offenburg und Baden-Baden nach Hamburg abfahren.
Das war die letzte Unterbrechung, jetzt gibt es nur noch eine Etappe - bis zum endgültigen Ziel.
Also demnächst wieder mit der Bahn nach Breisach, das Fahrrad besteigen und ab durch Frankreich!
In einem fremden Land, das ist noch einmal eine Steigerung. Bis demnächst also!

Unterwegs nach Süden
zu dem schönen blauen Meer
Tage, Wochen auf der Strasse
das ist wirklich hart

Unterwegs nach Süden
Kilometer Kilometer
jeden Tag ein Stückchen mehr
mit dem Fahrrad in den Süden
harte Arbeit jeden Tag

Unterwegs nach Süden
dorthin wo die Sonne lockt
jeden Tag allein
mit Gedanken an die Liebèn
mit Gedanken an Zuhaus

Unterwegs nach Süden
mit Erinnerungen im Kopf
tret ich in Pedale
bis ich nicht mehr kann

Unterwegs nach Süden
auf schönen Wegen
harten Strassen
bergan bergab und geradeaus
irgendwann komm ich an